Anmerkungen zur Geschichte der Internationale

Erste Schritte
Am 28. September 1864 war die St. Martin`s Hall im Londoner Stadtzentrum zum Bersten überfüllt Zweitausend Arbeitsleute waren gekommen [1].
Der Grund war eine Versammlung, zu der englische Gewerkschaftsführer und eine kleine Gruppe von Arbeitern vom europäischen Festland aufgerufen hatten.
Die Organisatoren konnten sich nicht vorstellen, geschweige denn vorhersehen, welche Folgen ihre Initiative schon kurz danach haben sollte. Ihre Idee war es eigentlich, ein internationales Forum aufzubauen, wo die wichtigsten die Arbeiterschaft betreffenden Probleme untersucht und diskutiert werden konnten. Die Gründung einer Organisation mit dem Ziel der Koordinierung der gewerkschaftlichen und politischen Aktivitäten der Arbeiterklasse beinhaltete diese ursprüngliche Idee nicht. Tatsächlich allerdings wurde die gewählte Form zum Prototypen für alle folgenden Organisationen der Arbeiterbewegung, die sowohl für die reformistischen wie auch die revolutionären Strömungen zum Referenzpunkt wurde: Die Internationale Arbeiterassoziation (IAA). [2]
Die Internationale sorgte dafür, dass bald nach ihrer Gründung in ganz Europa Leidenschaften geweckt wurden. Sie machte Klassensolidarität zu einem Ideal und inspirierte eine große Zahl von Männern und Frauen für das radikalste aller Ziele zu kämpfen: Die Veränderung der Welt. Dank der Internationale gelang es der Arbeiterbewegung nicht nur, ein klareres Verständnis der Funktionsweise der kapitalistischen Produktionsweise zu gewinnen; sie wurde sich auch ihrer eigenen Stärke viel bewusster und konnte neue und modernere Kampfformen entwickeln.

Der richtige Mann am richtigen Platz
Die Arbeiterorganisationen, die die Internationale gründeten, waren ein kunterbunt zusammengewürfelter Haufen. Die treibende Kraft waren die britischen Gewerkschaften, deren Führer hauptsächlich an ökonomischen Fragen interessiert waren. Sie kämpften für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter, aber ohne den Kapitalismus in Frage zu stellen. Daher stellten sie sich die Internationale als ein Instrument vor, dass die Zufuhr von Arbeitskräften vom Festland im Falle von Streiks verhindern sollte.
Dann waren da die Mutualisten, die lange Zeit in Frankreich dominant waren, aber auch in Belgien und der französisch sprechenden Schweiz über großen Rückhalt verfügten. In Einklang mit den Theorien von Pierre-Joseph Proudhon waren sie nicht nur gegen jedes Engagement der Arbeiterklasse in der Politik, sondern sie lehnten auch den Streik als Mittel im Kampf ab. Gleichzeitig vertraten sie in den Diskussionen über die Emanzipation der Frau konservative Positionen. Sie traten für ein Kooperativsystem nach föderalem Muster ein und gingen von der Möglichkeit aus, den Kapitalismus durch den gleichen Zugang zu Krediten für jedermann schrittweise zu verändern. Man kann daher sagen, dass sie de facto den rechten Flügel der Internationale bildeten.
Neben diesen beiden Gruppen, die die Mehrheit ausmachten, gab es allerdings auch noch andere Akteure. So waren die Kommunisten die drittwichtigste Strömung. Sie gruppierten sich um Karl Marx, waren Antikapitalisten und in kleinen Gruppen mit begrenztem Einfluss aktiv. Sie traten gegen das herrschende Produktionssystem auf und verfochten die Notwendigkeit politischen Handels als Weg zum Sturz des Kapitalismus.
Zur Zeit ihrer Gründung umfassten die Reihen der Internationale auch allgemein demokratische Elemente, die nichts zu tun hatten mit der sozialistischen Tradition. Weiter verkompliziert wird das Bild durch den Umstand, dass manche Arbeiter, die Mitglied der Internationale wurden, die unterschiedlichsten verworrenen Theorien mitbrachten, von denen manche utopisch inspiriert waren. Gleichzeitig lehnte die Partei der Lassalleaner, die sich niemals der Internationale anschloss, aber immer um sie kreiste, die Gewerkschaftsbewegung ab und verstand politisches Handeln als strikt nationale Angelegenheit.
Das Zusammenwirken all dieser Strömungen in derselben Organisation zu gewährleisten, deren Programm weit weg von den Denkansätzen war, aus denen die einzelnen Gruppierungen einst entstanden waren, ist Marxens große Leistung. Sein politisches Talent ermöglichte es ihm, scheinbar Unvereinbares in Einklang zu bringen und somit sicherzustellen, dass die Internationale nicht sofort zur Bedeutungslosigkeit verdammt war, wie viele vorangegangene Arbeiterassoziationen [3] Es war Marx, der der Internationale ein klares Ziel gab und der erreichte, dass das politische Programm zwar nicht ausschließend, aber dennoch entschieden klassenbasiert war und der Internationale einen Massencharakter jenseits allen Sektierertums gab. Die politische Seele des Generalsrats war immer Marx: Er entwarf all seine wichtigen Resolutionen und bereitete die meisten Kongressberichte vor. Er war „der richtige Mann am richtigen Ort“ wie es der der deutsche Arbeiterführer Johann Georg Eccarius auf den Punkt brachte. [4]
Vor allem dank Marxens Fähigkeiten konnte die Internationale eine politische Synthese entwickeln, die die vielen nationalen Kontexte in einem Projekt gemeinsamen Kampfs vereinte. Die Aufrechterhaltung der Einheit war mitunter zermürbend, besonders da Marxens Antikapitalismus niemals in der Organisation dominierte. Mit der Zeit allerdings wurde das marxsche Denken zur hegemonialen Konzeption – teils aufgrund von Marxens eigener Beharrlichkeit, teils infolge gelegentlich vorkommender Abspaltungen anderer Richtungen.

Mitgliedschaft und Struktur
Während der gesamten Zeit ihrer Existenz galt die Internationale als eine gewaltige und mächtige Organisation. Die Zahl ihrer Mitglieder wurde aber immer überschätzt. So gab der Staatsanwalt, der im Juni 1870 einige ihrer französischen Führer unter Anklage stellte, ihre Mitgliedschaft in Europa mit 800.000 an[5]. Ein Jahr später, nach der Niederlage der Pariser Kommune, sprach die Londoner Times von zweieinhalb Millionen [6]. In Wirklichkeit waren die Mitgliederzahlen viel niedriger. Selbst den eigenen Führern und denjenigen, die sich intensiv mit den Zahlen beschäftigten, fiel es seinerzeit schwer, auch nur ungefähre Schätzungen abzugeben. Aber nach heutigem Stand der Forschung lässt sich die Hypothese aufstellen, dass auf dem Höhepunkt der Organisation zwischen 1871-1872 die Mitgliederzahl 150.000 nicht überstieg.
Zu einer Zeit allerdings, wo es – mit Ausnahme der englischen Gewerkschaften und des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins – kaum wirksame Organisationen der Arbeiterklasse gab, war diese Zahl dennoch beachtlich. Außerdem muss man sich darüber klar sein, dass die Internationale während des gesamten Zeitraums ihrer Existenz nur in Großbritannien, der Schweiz, Belgien und den USA legal war. In anderen Ländern existierte sie bestenfalls am Rande der Legalität und ihre Mitglieder waren der Verfolgung ausgesetzt. Allerdings hatte die Assoziation die bemerkenswerte Fähigkeit, ihre einzelnen Gliederungen zu einem in sich geschlossenem Ganzen zu vereinen. Innerhalb weniger Jahre nach ihrer Gründung hatte sie es geschafft, hunderte von Arbeitervereinen zu einem Bund zusammenzuschließen. Nach 1868 kamen Vereine in Spanien hinzu und im Nachgang der Pariser Kommune entwickelten sich auch Sektionen in Italien, den Niederlanden, Dänemark und Portugal.
Dennoch machten die Mitglieder der Internationale nur einen kleinen Teil der gesamten Arbeiterschaft aus. In Großbritannien war die Internationale, mit Ausnahme der Stahlarbeiter, im Industrieproletariat immer nur schwach vertreten. [7] Die große Mehrzahl der Mitglieder arbeitete im Schneiderhandwerk, in der Bekleidungsindustrie, in der Schuhmacherei und Tischlerei, also den Bereichen der Arbeiterklasse, die am besten organisiert waren und das größte Klassenbewusstsein hatten. Nirgendwo bildeten die Fabrikarbeiter jemals eine Mehrheit, am wenigsten, nach dem die Organisation sich nach und in Südeuropa ausgedehnt hatte. Das andere große Hindernis waren die Misserfolge beim Versuch, Mitglieder unter den ungelernten Arbeitern zu gewinnen [8] – trotz gewisser Erfolge, die im Vorfeld des ersten Kongresses erzielt wurden.

Die Entstehung der Internationale
Großbritannien war das erste Land, wo Beitrittsgesuche zur Internationalen gestellt wurden. In der Folge trat im Februar 1865 die Gewerkschaft der Maurer mit rd. 4.000 Mitgliedern bei, kurz darauf folgten die Assoziationen der Bauarbeiter und der Schumacher.
In Frankreich begann die Internationale im Januar 1865 Form anzunehmen, als ihre erste Sektion in Paris gegründet wurde. Allerdings blieb sie sehr schwach, hatte wenig ideologischen Einfluss und schaffte es auch nicht, eine nationale Organisationsstruktur aufzubauen. Trotzdem gelang es den französischen Unterstützern der Internationale – größtenteils Anhängern von Proudhons Mutualismus –, sich als zweitgrößte Gruppe auf der ersten Konferenz der Organisation zu etablieren.
Im folgenden Jahr setzte die Internationale ihre Ausdehnung in Europa fort und baute ihre ersten bedeutenden Organisationskerne in Belgien und in der französisch-sprechenden Schweiz auf. Das Koalitionsverbot in Preußen hatte aber zur Folge, dass die Internationale keine Sektionen im Deutschen Bund gründen konnte. Der 5.000 Mitglieder starke Allgemeine Deutsche Arbeiterverein, die erste Arbeiterpartei der Geschichte, verfolgte eine ambivalente Linie des Dialogs mit Otto von Bismarck und zeigte in den ersten Jahren ihrer Existenz wenig bis kein Interesse an der Internationale. Dieses Desinteresse teilte auch Wilhelm Liebknecht, trotz seiner politischen Nähe zu Marx.
Die Aktivität des Generalrats in London war entscheidend für die weitere Stärkung der Internationale.
Im September 1866 beherbergte die Stadt Genf den ersten Kongress der Internationale mit 60 Delegierten aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Hier konnte die Assoziation eine ausgesprochen positive Bilanz der ersten beiden Jahre seit ihrer Gründung ziehen, hatten sich doch über hundert Gewerkschaften und politische Organisationen zur IAA bekannt. Die Teilnehmer des Kongresses teilten sich in zwei Blöcke. Der erste Block, der aus den Britischen Delegierten, den wenigen Deutschen und einer Mehrheit der Schweizer bestand, folgte den Direktiven des Generalrates, die von Marx (der in Genf nicht anwesend war) formuliert worden waren. Den zweiten Block – die französischen Delegierten und einige aus der französisch-sprachigen Schweiz – bildeten die Mutualisten. Zu diesem Zeitpunkt waren in der Internationale de facto moderate Positionen vorherrschend.
Indem sie sich auf die von Marx vorbereiteten Resolutionen stützten, gelang es den Führern des Generalrats erfolgreich, die Mutualisten auf dem Kongress zu marginalisieren und Abstimmungen zugunsten von Staatsintervention für sich zu entscheiden. Zu letzterem Punkt hatte Marx sich klar geäußert: „Bei der Durchsetzung solcher Gesetze … stärkt die Arbeiterklasse keineswegs die Macht der Regierung. Im Gegenteil, sie verwandelt jene Macht, die jetzt gegen sie gebraucht wird, in ihre eigenen Diener.“ [9]
Hinzu kommt, dass die Marxschen „Instruktionen“ für den Genfer Kongress die grundlegenden Aufgaben der Gewerkschaften betonten.

Wachsende Stärke
Ab Ende 1866 verstärkte sich die Streiktätigkeit in vielen europäischen Ländern. Sie wurde von einer großen Masse von Arbeitern getragen und half ein Bewusstsein für die eigene Situation zu schaffen. Diese Streiks waren das Herzstück einer neuen und wichtigen Welle von Kämpfen.
Obwohl einige Regierungen dieser Zeit die Internationale für die Unruhen verantwortlich machten, wussten die meisten der in die Kämpfe einbezogenen Arbeiter nicht einmal von ihrer Existenz. Der Grund ihrer Proteste waren die furchtbaren Lebens und Arbeitsbedingungen, die sie gezwungenermaßen erdulden mussten. Die Mobilisierung führte jedoch dazu, dass eine Phase des Kontakts und der Koordinierung der Streikbewegungen mit der Internationale begann. So wurden sie von der IAA mit Deklarationen und Solidaritätsaufrufen unterstützt und es wurden Gelder für die Streikenden gesammelt. Des weitern unterstützte die Internationale die Kämpfe gegen Versuche der „Bosse“, den Widerstand der Arbeiter zu schwächen.
Es war diese praktische Rolle der Internationale, die die Arbeiter erkennen ließ, dass diese Organisation ihre Interessen vertrat und die dazu führte, dass sie sich ihr in manchen Fällen auch anschlossen. [10] Arbeiter in anderen Ländern sammelten Geld zu Unterstützung der Streikenden und waren sich darin einig, keine Arbeit anzunehmen, die sie in „industrielle Söldner“ verwandelt hätte. Dies zwang die „Bosse“, auf viele Forderungen der Streikenden einzugehen und Kompromisse zu finden. In den Gemeinden, die im Zentrum des Geschehens standen, wurden hunderte neue Mitglieder geworben. Später stellte ein Bericht des Generalrats fest: „Die Internationale Arbeiterassoziation drängt die Menschen nicht dazu zu streiken, aber es sind die Streiks, die die Menschen in die Arme der Internationalen Arbeiterassoziation treiben“. [11]
Gestärkt durch ihren Erfolg, ihre steigenden Mitgliederzahlen und einer verbesserte Organisation machte die Internationale ab 1867 überall in Kontinentaleuropa Fortschritte.
Aber Großbritannien blieb das Land, wo die Internationale die größte Präsenz hatte. Im Laufe des Jahres 1867 stieg die Zahl der Mitglieder durch den Beitritt dutzender weiterer Organisationen auf ca. 50.000. [12] Nirgendwo anders erreichte die Mitgliedschaft der Internationale ein derartiges Niveau. Dennoch waren die folgenden Jahre in Großbritannien, im Gegensatz zum Zeitraum 1864-1867, durch eine gewisse Stagnation geprägt. Dafür gab es mehrere Gründe. Der wichtigste aber war, dass es der Internationale nicht gelang, Fabrikarbeiter und ungelernte Arbeiter zu organisieren.
Weiterhin trug die wachsende Institutionalisierung der Arbeiterbewegung zu einem Abflauen der Aktivität der Internationale bei. Die Legalisierung der Gewerkschaften, die die Gefahr der Verfolgung und der Repression für ihre Mitglieder beendete, ermöglichte es der „Vierten Gewalt“, eine wirkliche Präsenz in der Gesellschaft zu erlangen.
Die Situation auf dem Kontinent war allerdings eine andere. Im Deutschen Bund existierten Tarifverhandlungen faktisch nicht. In Belgien wurden Streiks mit einer Repressionswelle beantwortet, als seien sie Kriegsakte. In der Schweiz wurden sie als Normabweichung betrachtet, mit der sich das Establishment nur schwer anfreunden konnte. In Frankreich waren Streiks zwar seit 1864 legal, aber die Aktivitäten der ersten Gewerkschaften unterlagen nach wie vor harten Restriktionen.
Vor diesem Hintergrund versammelte sich die durch eine erweiterte Mitgliedschaft zu neuer Stärke gekommene Internationale zu ihrem Kongress 1867. Marx war mit der Arbeit an den Korrekturfahnen für das „Kapital“ vollständig ausgelastet und nahm weder an Sitzungen des Generalrates, in denen die vorbereitenden Dokumente erarbeitet wurden, noch am Kongress selber teil. [13] Die Auswirkungen waren natürlich spürbar, was sich darin zeigte, dass der Kongress seinen Fokus auf die bloße Berichterstattung über das Wachstum der Organisation in zahlreichen Ländern legte und ansonsten dank der stark vertretenen Mutualisten vor allem über proudhonianische Themen diskutierte.
Von den frühesten Tagen der Internationale an waren Proudhons’ Ideen im größten Teil des Französisch sprechenden Europas hegemonial. In der Internationale repräsentierten die Mutualisten vier Jahre lang den gemäßigtesten Flügel. Die britischen Gewerkschaften, die die Mehrheit bildeten, teilten zwar Marxens Antikapitalismus nicht, aber sie hatten auch nicht den Einfluss auf die Politik der Organisation, den die Anhänger Proudhons auszuüben vermochten.
Marx spielte zweifelsfrei eine Schlüsselrolle in dem langen Kampf zur Schwächung des Einflusses Proudhons in der Internationale. Seine Vorstellungen waren grundlegend für die theoretische Entwicklung ihrer Führer, und er besaß die bemerkenswerte Fähigkeit, diese Ideen auch bei jedem größeren inhaltlichen Konflikt innerhalb der Organisation durchzusetzen. Die Arbeiter hatten allerdings bereits selbst Abstand von den Theorien Proudhons genommen. Vor allem die Wirksamkeit der Streiks überzeugte die Mutualisten von der Fehlerhaftigkeit ihrer Auffassungen. So hatte die Arbeiterbewegung selber bewiesen, dass es, im Gegensatz zur Position Proudhons, unmöglich war, sozialökonomische von politischen Fragen zu trennen. [14]
Der Brüsseler Kongress von 1868 beschnitt dem Mutualismus die Flügel. Die Versammlung erreichte ihren Höhepunkt mit der Annahme des Antrags von De Paepe, der die Sozialisierung aller Produktionsmittel forderte – ein großer Schritt vorwärts bei dem Versuch, eine ökonomische Basis des Sozialismus zu definieren. So stand dieser Punkt jetzt nicht mehr nur in den Schriften einzelner Intellektueller, sondern war Teil des Programms einer transnationalen Organisation. Was die Bereiche Landwirtschaft, Minen und Transport betraf, so beschloss der Kongress, dass die Notwendigkeit bestehe, das Land in „allgemeines gesellschaftliches Eigentum“ zu überführen. [15] Sogar die verheerenden Folgen privaten Waldbesitzes für die Umwelt wurden erkannt. Dies kann als großer Sieg des Generalrats gesehen werden, bedeutete es doch, dass zum ersten Mal sozialistische Grundsätze in einem politischen Programm einer großen Arbeiterorganisation verankert wurden.
Der Kongress von Basel 1869 war ebenso von Interesse, weil Michail Bakunin als Delegierter an den Beratungen teilnahm. Kurz nach dem er der Internationale 1869 beigetreten war, war der Einfluss des berühmten russischen Revolutionärs in einigen schweizerischen, spanischen und französischen Sektionen rasch gestiegen (wie auch in Italien nach der Pariser Kommune), und bereits auf dem Baseler Kongress gelang es ihm, Einfluss auf den Ausgang der Beratungen zu nehmen. Nachdem er die Mutualisten endgültig besiegt hatte und das Gespenst Proudhon seine letzte Ruhe finden ließ, hatte Marx sich nun mit einem härteren Kontrahenten auseinanderzusetzen. Bakunin baute eine neue Strömung auf, den Anarchismus, und versuchte, die Kontrolle über die Organisation zu gewinnen.

Ausdehnung quer durch Europa und Opposition zum Deutsch-Französischen Krieg
Die späten sechziger und die frühen siebziger Jahre waren eine Zeit reich an sozialen Auseinandersetzungen. Viele Arbeiter, die an den Protestaktionen teilnahmen, entschieden sich dafür, mit der Internationale in Kontakt zu treten.
Das Jahr 1869 sah eine signifikante Ausweitung der IAA über ganz Europa. In jedem europäischen Land, wo die Internationale halbwegs stark war, gründeten ihre Mitglieder neue Organisationen, die völlig unabhängig von jenen waren, die bereits existierten. In Großbritannien jedoch, wo die Gewerkschaften die Hauptbasis der Internationale bildeten, lösten diese ihre eigenen Organisationsstrukturen natürlich nicht auf. Der in London ansässige Generalrat hatte demzufolge zwei Aufgaben zugleich zu erfüllen: Einerseits war er internationales „Hauptquartier“, anderseits agierte er als Leitungsorgan für Großbritannien, wo die angeschlossenen Gewerkschaften 50.000 Mitglieder in ihrem Einflussbereich hatten.
In Frankreich sorgte die repressive Politik des Zweiten Kaiserreich dafür, dass das Jahr 1868 zu einem ernsten Krisenjahr für die Internationale wurde. Das folgende Jahr hingegen ging einher mit einer Wiederbelebung der Organisation, und neue Führer, die die mutualistischen Positionen hinter sich gelassen hatten, rückten in die erste Reihe. Der Höhepunkt der Entwicklung für die französische Sektion der Internationale kam im Jahr 1870. Trotz ihres bemerkenswerten Wachstums konnte die Organisation in 38 der 90 Départements allerdings niemals Fuß fassen. Die Gesamtzahl der Mitglieder in Frankreich lag irgendwo zwischen 30.000 und 40.000. [16] Wenn die Internationale in Frankreich auch keine wirkliche Massenorganisation darstellte, so war sie dennoch zu einer Organisation von beachtlicher Größe herangewachsen, die weitverbreitetes Interesse weckte.
In Belgien erreichte die Mitgliederzahl im Frühjahr 1870 ihren Höchststand mit mehreren zehntausend Mitgliedern. Damit überschritt man in Belgien vermutlich die Zahl der Mitglieder in Frankreich. Belgien war damit das Land, indem die IAA nicht nur die zahlenmäßig höchste Dichte an Mitgliedern, sondern auch den größte gesellschaftlichen Einfluss erreichte. Eine positive Entwicklung war zu dieser Zeit ebenso offensichtlich in der Schweiz.
Im Norddeutschen Bund war der Enthusiasmus für die Internationale trotz der Existenz zweier Arbeiterorganisationen – des lassalleanischen Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein und der marxistischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei – gering und die Neigung, ihr beizutreten, nur schwach. Während der ersten drei Jahre ihrer Existenz wurde sie von deutschen Aktivisten aus Angst vor Verfolgung durch die deutsche Obrigkeit faktisch ignoriert. Das Bild änderte sich nach 1868 mit wachsender Bekanntheit und zunehmenden Erfolgen der Internationale in Europa; beide rivalisierenden Parteien strebten nun danach, die IAA in Deutschland zu vertreten.
Unter diesen allgemeinen Umständen, die gekennzeichnet waren durch offene Widersprüche zwischen den Staaten und deren ungleiche Entwicklung, bereitete die Internationale ihren fünften Kongress vor. Der Ausbruch des Deutsch- Französischen Krieges 1870 ließ allerdings keine andere Wahl, als den Kongress abzusagen. Der Konflikt im Herzen von Europa verschob die Prioritäten: Jetzt kam alles darauf an, der Arbeiterbewegung dabei zu helfen, eine unabhängige Position zu formulieren, weit weg von der nationalistischen Rhetorik ihrer Zeit. In seiner „Ersten Adresse des Generalrates über den Deutsch- Französischen Krieg“ forderte Marx die französischen Arbeiter auf, Louis Bonaparte zu stürzen und das Kaiserreich, dass dieser 18 Jahre zuvor installiert hatte, verschwinden zu lassen. Die deutschen Arbeiter ihrerseits sollten verhindern, dass die Niederlage Bonapartes zu einem Angriff auf das französische Volk ausarten könnte: „Diese einzige große Tatsache, ohnegleichen in der Geschichte der Vergangenheit, eröffnet die Aussicht auf eine hellere Zukunft. Sie beweist, daß, im Gegensatz zur alten Gesellschaft mit ihrem ökonomischen Elend und ihrem politischen Wahnwitz, eine neue Gesellschaft entsteht, deren internationales Prinzip der Friede sein wird, weil bei jeder Nation dasselbe Prinzip herrscht – die Arbeit! Die Bahnbrecherin dieser neuen Gesellschaft ist die Internationale Arbeiterassoziation.“ [17]

Die Internationale und die Pariser Kommune
Nach dem deutschen Sieg in Sedan und der Gefangennahme Bonapartes wurde am 4. September 1870 in Frankreich die Dritte Republik proklamiert. Mit einer neuen Regierung konfrontiert, die die Stadt entwaffnen wollte und jede Sozialreform verweigerte, wendeten sich die Pariser gegen Adolphe Thiers und initiierten am 18. März 1871 das erste große politische Ereignis im Leben der Arbeiterbewegung: Die Pariser Kommune.
Obwohl Bakunin die Arbeiter aufgefordert hatte, den patriotischen Krieg in einen revolutionären Krieg zu verwandeln, [18] entschied sich der Generalrat in London zunächst dafür, zu schweigen. Man übertrug Marx die Aufgabe, einen Text im Namen der Internationale zu schreiben, aber der verzögerte die Veröffentlichung – aus komplizierten, aus tiefster Überzeugung vertretenen Beweggründen. So war er sich sowohl der wirklichen Kräfteverhältnisse vor Ort als auch der Schwäche der Kommune bewusst. Ihm war klar, dass sie zur Niederlage verdammt war. Eine leidenschaftliche Deklaration, die die Kommune begeistert aufgenommen hätte, trug die Gefahr in sich, falsche Erwartungen bei den Arbeitern in ganz Europa zu wecken, die in der Folge womöglich eine Quelle für Demoralisierung und Misstrauen geworden wäre. Seine düsteren Vorahnungen erwiesen sich bald als stichhaltig. Am 28. Mai 1871 wurde die Kommune im Blut ertränkt. Zwei Tage später erschien Marx wieder im Generalrat mit einem Manuskript unter dem Titel „Der Bürgerkrieg in Frankreich“. Es wurde nach Verlesung einstimmig beschlossen und anschließend unter den Namen aller Ratsmitglieder veröffentlicht. Dieses Dokument hatte in den nächsten Wochen einen gewaltigen Einfluss, größer als der aller anderen Dokumente der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert.
Trotz des blutigen Ausgangs in Paris, der Welle von Verleumdungen und staatlicher Repression überall in Europa wurde die Internationale in der Folge der Kommune immer stärker und bekannter. Für die Kapitalisten und die Mittelklassen stellte sie eine Gefahr für die herrschende Ordnung dar, aber für die Arbeiter nährte sie die Hoffnung auf eine Welt ohne Ausbeutung und Unrecht. [19] Das aufständische Paris festigte die Arbeiterbewegung und trieb sie dazu, immer radikalere Positionen einzunehmen. Die Erfahrung zeigte, dass Revolution möglich war und dass es das Ziel sein musste, eine Gesellschaft zu errichten, die völlig verschieden von der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ist. Die Erfahrung zeigte aber auch, dass die Arbeiter sich dafür dauerhafte und gut organisierte Formen der politischen Assoziation schaffen mussten. [20]
Diese gewaltige Vitalität war überall spürbar. Die Beteiligung an den Versammlungen des Generalrates verdoppelte sich. Zeitungen, die mit der Internationale verbunden waren, wuchsen nicht nur ihrer Zahl nach, sondern steigerten auch ihre Auflagen. Besonders bemerkenswert war das Wachstum in Belgien und Spanien, wo das Niveau der Beteiligung der Arbeiter schon vor der Pariser Kommune beträchtlich gewesen war. Außerdem schaffte die Organisation den Durchbruch in Italien. Obwohl Guiseppe Garibaldi nur eine vage Vorstellung von der Assoziation hatte [21], entschied der „Held der zwei Welten“ sich hinter sie zu stellen und unterschrieb einen Aufnahmeantrag, in dem die berühmten Worte standen: „Die Internationale ist die Sonne der Zukunft“. [22] Der Abdruck dieses Briefes in dutzenden Arbeiterzeitungen und auf Flugblättern trug dazu bei, dass viele Unentschlossene sich der Organisation anschlossen.
Die Internationale eröffnete im Oktober 1871 eine neue Sektion in Portugal. In Dänemark begann sie im selben Monat die meisten der neu gegründeten Gewerkschaften in Kopenhagen und Jütland miteinander zu verknüpfen. Eine andere bedeutende Entwicklung war die Gründung von irischen Arbeitersektionen in Großbritannien. Ihr Führer John MacDonnell wurde zum korrespondierenden Mitglied des Generalrates für Irland ernannt. Unerwartete Aufnahmegesuche kamen aus den verschiedensten Ecken der Welt: So wollten nicht nur einige englische Arbeiter aus Kalkutta der Internationale beitreten, sondern auch Arbeitergruppierungen aus Victoria in Australien und Christchurch, Neuseeland. Dasselbe galt für eine Reihe von Handwerkern aus Buenos Aires.

Die Londoner Konferenz von 1871
Zwei Jahre waren seit dem letzten Kongress der Internationale vergangen, aber unter den bestehenden Umständen konnte kein neuer Kongress stattfinden. Der Generalrat entschied deshalb, eine Konferenz in London einzuberufen. Trotz aller Versuche, dieses Ereignis so repräsentativ wie möglich zu machen, wurde es tatsächlich nicht mehr als eine erweiterte Generalratssitzung. Marx hatte im Vorhinein angekündigt, dass die Konferenz sich „ausschließlich mit Organisations- und Strategiefragen“ beschäftigen würde [23], während theoretische Debatten ausgespart werden sollten.
Marx setzte sich mit ganzer Kraft für folgende Prioritäten ein: Reorganisation der Internationale; ihre wirksame Verteidigung gegen feindliche Kräfte; Zurückdrängung des wachsenden Einflusses von Bakunin. Während der Konferenz war er der mit Abstand aktivste Delegierte; er ergriff 102 mal das Wort, blockierte Anträge, die nicht seinen Vorstellungen entsprachen, und konnte diejenigen auf seine Seite ziehen, die bis dahin noch nicht überzeugt gewesen waren.[24] Die Zusammenkunft in London bestätigte Marxens Gewicht in der Organisation nicht nur als theoretischer Kopf der Organisation, sondern auch als einer ihrer kämpferischsten und fähigsten Aktivisten.
Die wichtigste Entscheidung der Konferenz und der Grund, weshalb man sich später an sie erinnern sollte, war die Annahme von Edouard Vaillants Resolution IX. Der Führer der Blanquisten, deren übrig gebliebene Kräfte nach dem Ende der Kommune der Internationale beigetreten waren, schlug vor, die Organisation zu einer zentralisierten, disziplinierten Partei unter der Führung des Generalrates umzugestalten. Trotz einiger Differenzen, besonders über die Blanquistische Position, dass ein straff organisierter kleiner Kern von Aktivisten für eine Revolution ausreichend sei, zögerte Marx nicht, eine Allianz mit der Gruppe von Vaillant einzugehen. Das geschah nicht nur, um die Opposition gegen Bakunins Anarchismus innerhalb der Internationale zu stärken. Vielmehr ging es darum, einen breiteren Konsens über die in der neuen Phase des Klassenkampfs für notwendig erachteten Veränderungen herzustellen. Die in London verabschiedete Resolution stellte schließlich folgendes fest: „In seinem Kampf gegen die kollektive Macht der besitzenden Klassen kann das Proletariat nur dann als Klasse handeln, wenn es sich selbst als besondere politische Partei im Gegensatz zu allen alten, von den besitzenden Klassen gebildeten Parteien konstituiert. Diese Konstituierung des Proletariats als politische Partei ist unerläßlich, um den Triumph der sozialen Revolution und ihres höchsten Zieles, der Aufhebung der Klassen, zu sichern. Die durch den ökonomischen Kampf bereits erreichte Vereinigung der Kräfte der Arbeiterklasse, muss in den Händen dieser Klasse auch als Hebel in ihrem Kampf gegen die politische Macht ihrer Ausbeuter dienen.“
Die Schlussfolgerung war klar: „Die soziale Emanzipation der Arbeiter ist untrennbar von ihrer politischen Emanzipation.“ [25]
Während der Genfer Kongress von 1866 die Bedeutung der Gewerkschaften betonte, verschob sich der Schwerpunkt auf der Londoner Konferenz in Richtung des anderen zentralen (Kampf)-Mittels der modernen Arbeiterbewegung: der politischen Partei. Es sollte allerdings betont werden, dass das Verständnis davon, was „Partei“ bedeutete, damals viel breiter war, als das, was im 20. Jahrhundert darunter verstanden wurde. [26]
Nur vier Delegierte sprachen sich auf der Londoner Konferenz gegen die Resolution IX aus. Dennoch sollte sich Marxens Sieg bald als bedeutungslos herausstellen. Denn der Aufruf, in jedem Land Strukturen aufzubauen, die einer politischen Partei gleichkamen und dabei mehr Machtbefugnisse an den Generalrat abzugeben, hatten massive Auswirkungen auf das innere Leben der Internationale. Sie war noch nicht bereit dafür, so schnell von einem flexiblen auf ein einheitliches Organisationsmodel umzuschwenken. [27]
Marx war davon überzeugt, dass so gut wie alle wichtigen Verbände und lokalen Sektionen die Resolutionen der Konferenz unterstützen würden, doch er hatte die Situation falsch eingeschätzt. So berief eine Föderation der Internationale, die aus dem schweizerischen Kanton Jura, für den 12. November einen eigenen Kongress in der kleinen Gemeinde Sonvilier ein und gründete dort offiziell, trotz Bakunins Abwesenheit, eine Oppositionsströmung innerhalb der Internationale.
Obwohl die Reaktion dieser Föderation nicht unerwartet kam, war Marx wahrscheinlich doch überrascht, als sich auch anderswo Zeichen der Unruhe und sogar offener Rebellion gegen die politische Linie des Generalrates zeigten. In einer größeren Zahl von Ländern wurden die Entscheidungen aus London als unakzeptable Einmischung in die lokale politische Autonomie gewertet. Sogar die Belgische Föderation, die versucht hatte, auf der Konferenz zwischen den verschieden Lagern zu vermitteln, begann nun eine deutlich kritischere Haltung zu den Londonern einzunehmen, und auch die Niederländer gingen später auf Distanz zum Generalrat. In Südeuropa, wo die Gegentendenzen sogar noch stärker wirkten, gewann die Opposition bald beachtliche Unterstützung. Tatsächlich bezog die große Mehrheit der iberischen Mitglieder der Internationale gegen den Generalrat Stellung und bekannte sich zu Bakunins Ideen. Auch in Italien betrachtete man die Ergebnisse der Londoner Konferenz in einem negativen Licht. So nahm der Gründungskongress der italienischen Föderation sogar die radikalste Gegenposition zur Linie des Generalrates ein: Er beschloss, am kommenden Kongress der Internationale nicht teilzunehmen, sondern schlug einen „antiautoritären Generalkongress“ vor [28], der in Neuchâtel in der Schweiz stattfinden sollte. Dies sollte sich als der erste Akt der drohenden Spaltung erweisen.
Diese Auseinandersetzungen schadeten auch den Beziehungen der Mitglieder in London untereinander. So entwickelte sich das Verhältnis zwischen Marx und zweien seiner Mitstreiter, John Hales und Johann Georg Eccarius, zum Schlechten, und auch in Großbritannien begannen die ersten internen Konflikte aufzubrechen. Unterstützung für den Generalrat kam von der Mehrheit der Schweizer, den Franzosen (jetzt meist blanquistisch), den schwachen Deutschen, den kürzlich gegründeten dänischen Sektionen, aus Irland, Portugal und den osteuropäischen Gruppen in Ungarn und Böhmen. Zusammengenommen war das aber viel weniger an Zustimmung, als Marx nach der Londoner Konferenz erhofft hatte.
Die Opposition zum Generalrat variierte in ihrem Charakter und hatte oft hauptsächlich persönlich Motive. Dennoch, trotz der Faszination in einigen Ländern für Bakunins Theorien und trotz der Fähigkeit eines Guillaumes, die verschiedenen Oppositionellen zu vereinen, lag die Haupttriebkraft gegen die beschlossene Resolution über „Arbeiterklassenpolitik“ darin begründet, dass das Umfeld der Internationale nicht dazu bereit war, diesen von Marx vorgeschlagenen qualitativen Schritt nach vorne mitzugehen. So sah nicht nur die bakuninsche Strömung, sondern der Großteil der Föderationen und lokalen Sektionen das Prinzip der Autonomie und den Respekt vor den verschiedenen Besonderheiten als einen Grundpfeiler der Internationale an. Marx Fehleinschätzung in dieser Frage führte dazu, dass die Krise der Organisation beschleunigt wurde. [29]

Das Ende der Internationale
Die letzte Schlacht zeichnete sich für den Ausgang des Sommers 1872 ab. Der fünfte Kongress der Internationale fand im September in Den Haag statt. Anwesend waren 65 Delegierte aus vierzehn Ländern. Die entscheidende Bedeutung des Kongresses veranlasste Marx dazu, in Begleitung von Engels persönlich anwesend zu sein. [30] Es war der einzige Kongress der Organisation, an dem er teilnahm
Die Repräsentativität der Delegierten war allerdings auf den Kopf gestellt, denn sie gab die realen Kräfteverhältnisse innerhalb der Organisation nicht wieder. Die französischen Sektionen waren in den Untergrund getrieben worden und die Legitimität ihre Mandate war hoch umstritten. Dennoch stammte der größte Delegiertenblock aus Frankreich. Danach folgten schon die deutschen Vertreter, die gut ein Viertel der Delegierten stellten, die aber über keine Sektionen innerhalb der Internationale verfügten. Andere Vertreter waren gleich durch den Generalrat delegiert worden und vertraten somit nicht den Willen irgendeiner Sektion.
Die Annahme der Resolutionen des Kongresses von Den Haag war nur aufgrund dieser verzerrten Zusammensetzung möglich. Die wichtigste Entscheidung, die in Den Haag getroffen wurde, bestand darin, die Resolution IX der Londoner Konferenz von 1871 als Artikel 7a in die Statuten der Assoziation zu übernehmen. Der politische Kampf war nun das notwendige Mittel zur Umgestaltung der Gesellschaft, denn: „Die Herren des Grund und Bodens und die Herren es Kapitals werden ihre politischen Vorrechte stets ausbeuten zur Verteidigung und Verewigung ihrer politischen Monopole und für die Versklavung der Arbeit. Die Eroberung der politischen Macht ist daher zur großen Pflicht der Arbeiterklasse geworden.“ [31]
Die Internationale hatte sich nun im Vergleich zu ihrer Gründungsperiode deutlich verändert: So hatte die radikaldemokratische Fraktion die Organisation verlassen, nachdem sie in wachsendem Masse marginalisiert worden war. Dann waren die Mutualisten zurückgedrängt und viele ihre Aktivisten zu Marxisten geworden. Somit machten die Reformisten nicht länger den Großteil der Mitglieder der Assoziation aus (mit der Ausnahme Großbritanniens), und der Antikapitalismus war zur politischen Linie der ganzen Assoziation geworden. Dies galt auch für erst jüngst entstandene Richtungen wie die anarchistisch-kollektivistische Strömung. Obwohl es während der Jahre, in denen die Internationale existierte, ein gewisses Maß an ökonomischem Aufschwung gegeben hatte, der die Lebensbedingungen in manchen Fällen etwas erleichterte, verstanden die Arbeiter, dass wirkliche Veränderung nicht durch solche Verbesserungen sondern nur durch das Ende der Ausbeutung des Menschen erreicht werden konnte. Sie begründeten ihre Kämpfe mehr und mehr durch Forderungen, die ihren eigenen materiellen Bedürfnissen entsprachen und weniger im Namen der politischen Gruppen, denen sie angehörten.
Auch die Gesamtlage hatte sich radikal verändert. So hatte die Deutsche Einigung 1871 den Beginn eines neuen Zeitalters eingeläutet, in dem der Nationalstaat zum allgemeinen Bezugspunkt in Fragen der politischen, rechtlichen und territorialen Identität wurde. Diese Entwicklung warf Fragen für jedes supranationale Gremium auf, das sich nicht nur durch Mitgliedsbeiträge, die in jedem Land separat erhoben wurden, finanzierte, sondern das von seinen Mitgliedern auch verlangte, auf einen beträchtlichen Teil ihrer politischen Führungsfunktionen zu seinen Gunsten zu verzichten. Zur gleichen Zeit machten die wachsenden Differenzen zwischen nationalen Bewegungen und Organisationen es dem Generalrat äußerst schwer, eine politische Generallinie zu formulieren, die die Forderungen aller Beteiligten befriedigen konnte.
Sicherlich ist der Hinweis richtig, dass die Internationale von Beginn an eine Ansammlung verschiedenster Gewerkschaften und politischer Assoziationen war, die nicht leicht miteinander in Einklang zu bringen waren, und dass dies ein ungewöhnliches Ausmaß an Befindlichkeiten und unterschiedlichen Tendenzen mit sich brachte. Im Jahr 1872 jedoch waren die verschiedenen Organisationen der Assoziation und, allgemeiner gesprochen, der Klassenbewegungen der Arbeiter, nicht nur mit einem klareren politischen Programm ausgestattet, sie waren auch besser organisiert. Die Legalisierung der britischen Gewerkschaften hatte sie zu einem offiziellen Teil des nationalen politischen Lebens werden lassen. Die Belgische Föderation innerhalb der Internationale war eine weit verzweigte Organisation mit einer politischen Führung, die in der Lage war, bedeutende eigenständige theoretische Beiträge zu formulieren. Deutschland hatte zwei Arbeiterparteien, die Sozialdemokratische Deutsche Arbeiterpartei und den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, die beide auch über eine parlamentarische Vertretung verfügten. Die französischen Arbeiter von Lyon bis Paris hatten bereits versucht „den Himmel zu stürmen“, und die spanische Föderation stand kurz davor, den Durchbruch zu einer Massenorganisation zu schaffen. Ähnliche Veränderungen hatten sich auch in anderen Ländern ergeben.
Die ursprüngliche Ausgestaltung der Internationale war somit überholt, genauso wie ihre ursprüngliche Mission zu einem Ende gekommen war. Die Aufgabe bestand nicht länger darin, europaweit Streiks vorzubereiten oder zu unterstützten. Genauso so wenig konnte es einfach weiter darum gehen, Kongresse einzuberufen, die über die Zweckmäßigkeit von Gewerkschaften oder die Notwendigkeit der Sozialisierung von Land und Produktionsmitteln debattieren sollten. Solche Themen gehörten nun zum kollektiven Erbe der ganzen Organisation. Nach der Pariser Kommune war die wirkliche Herausforderung für die Arbeiterbewegung eine revolutionäre: Was war organisatorisch zu tun, um die kapitalistische Produktionsweise zu einem Ende zu bringen und die Institutionen des bürgerlichen Staates zu stürzen? Die Frage war nicht länger, wie die bestehende Gesellschaft zu reformieren sei, sondern wie eine neue Gesellschaft geschaffen werden könnte. [32]
Obwohl die Arbeiterparteien unter den verschiedensten Formen in den unterschiedlichen Ländern entstanden waren, durften sie sich auf keinen Fall den nationalen Interessen unterwerfen. [33] Der Kampf für Sozialismus konnte nicht darauf beschränkt werden. Gerade unter den neuen historischen Rahmenbedingungen musste der Internationalismus weiter der Orientierungspunkt für das Proletariat bleiben wie auch das Mittel zu Immunisierung gegen die tödliche Umarmung des Staates und des kapitalistischen Systems.
Was sich in der morgendlichen Sitzung des 6. Septembers 1872, der dramatischsten Phase des Kongresses, ereignete, war der letzte Akt der Internationale, wie sie über die Jahre erdacht und aufgebaut worden war. So stand Engels zum Erstaunen der Anwesenden auf und ergriff das Wort. Er schlug vor, dass der Sitz des Generalrates für die Jahre 1872-1873 nach New York verlegt werden sollte und dass er aus Mitgliedern des dortigen Föderationsrates zusammengesetzt sein sollte. [34] Damit wären Marx und andere „Gründungsväter“ nicht mehr Teil des zentralen Gremiums der Assoziation. Stattdessen würde sich dieses jetzt aus Leuten zusammensetzten, deren Namen unbekannt waren.
Selbst viele Anhänger der „Mehrheit“ stimmten gegen den Umzug nach New York, der gleichbedeutend mit dem Ende der Internationale als arbeitsfähige Struktur gewesen wäre. Dass der Beschluss letztendlich mit einer knapper Mehrheit von drei Stimmen angenommen wurde (26 dafür und 23 dagegen), lag daran, dass sich neun Delegierte enthielten und war in der Tatsache begründet, dass einige Mitglieder der „Minderheit“ es gerne sahen, dass dieses Gremium an einen Ort weit weg von ihren Aktivitätszentren verlegt wurde. Ein Faktor für die Verlegung war sicherlich, dass Marx die Internationale lieber aufgeben wollte, als sie als sektiererische Organisation in den Händen seiner Gegner enden zu sehen. Der Niedergang der Internationale, der mit der Verlagerung des Generalrates nach New York sicherlich folgen würde, war auf jeden Fall einer langen und verheerenden Abfolge von „Bruderkriegen“ vorzuziehen.
Trotzdem ist das von vielen geteilte Argument [35] nicht überzeugend, dass der Konflikt zwischen den beiden Hauptströmungen oder womöglich zwischen deren Repräsentanten Marx und Bakunin der Hauptgrund für den Verfall der Internationale war – unbeschadet des großen Formats der beiden Männer. Vielmehr waren es die Veränderungen, die in der Welt rundherum stattfanden, die die Internationale als überlebt erscheinen ließen: Das Wachstum und die Transformation der Organisationen der Arbeiterbewegung, die Stärkung des Nationalstaats als Ergebnis der italienischen und der deutschen Einigung, die Expansion der Internationale in Ländern wie Spanien und Italien (wo die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse völlig andere waren als in Großbritannien und Frankreich), die Tendenz der britischen Gewerkschaften in Richtung einer noch weiteren Mäßigung und nicht zuletzt die Repression, die der Pariser Kommune folgte. Alle diese Faktoren zusammen ließen den ursprünglichen Aufbau der Internationale in der neuen Zeit als nicht mehr angemessen erscheinen.
In diesem stark von zentrifugalen Trends geprägten Szenario spielten Entwicklungen im Leben der Internationale und ihrer wichtigsten Protagonisten natürlich auch eine Rolle. Zum Beispiel war die Londoner Konferenz bei weitem nicht das rettende Ereignis, das Marx sich erhofft hatte. Im Gegenteil, das unnachgiebige Durchziehen der Tagung verschlimmerte die interne Krise, denn die vorherrschenden Stimmungen wurden nicht in Rechnung gestellt und es fehlte der Weitblick, der nötig gewesen wäre, um die Stärkung der Position Bakunins und seiner Richtung verhindern zu können. [36] Die Londoner Konferenz erwies sich als Phyrrussieg für Marx. Der Versuch, die internen Konflikte zu lösen, führte nur dazu, dass sie noch weiter akzentuiert wurden. Tatsächlich jedoch hatten die Londoner Entscheidungen nur einen Prozess beschleunigt, der längst im Gange war und der unmöglich aufgehalten werden konnte.

Schlussfolgerung
Diese bedeutende, 1864 entstandene Organisation, die über acht Jahre hinweg nicht nur erfolgreich Streiks und Kämpfe unterstützt hatte, sondern die auch ein antikapitalistisches Programm entwickelt hatte, implodierte letztlich auf dem Haager Kongress. Aber unbeschadet dessen beschloss die Arbeiterbewegung in späteren Jahrzehnten ein sozialistisches Programm, weitete sich auf ganz Europa und den Rest der Welt aus und bildete neue Strukturen supranationaler Koordination. Jenseits der Kontinuität der Namen (die zweite Internationale bestand von 1889 bis 1916, die Dritte Internationale von 1919 bis 1943) bezog sich jede dieser Gliederungen auf die Werte und Lehren der Ersten Internationalen. Somit zeigte sich ihre revolutionäre Botschaft als äußerst fruchtbar und bewirkte mit der Zeit Erfolge, die bedeutender waren, als die, die während ihrer Existenz erreicht wurden.
Die Internationale half den Arbeitern zu verstehen, dass die Befreiung der Arbeit nicht in einem Lande erreicht werden konnte, sondern eine globale Aufgabe sein musste. Sie verbreitete unter ihnen auch ein Bewusstsein darüber, dass sie dieses Ziel selber erreichen mussten, durch ihre eigene Fähigkeit sich zu organisieren, statt die Durchsetzung der eigenen Interessen an irgendwelche anderen Mächte zu delegieren. Und dass – hier war der Marxsche Beitrag entscheidend – es essentiell ist, die kapitalistischen Produktionsweise und die Lohnarbeit zu überwinden, denn Verbesserungen im Rahmen des bestehenden Systems, so notwendig der Kampf um sie auch sein mag, würden nicht die Abhängigkeit von der Herrschaft der Unternehmer verschwinden lassen.
Ein Graben trennt die Hoffnungen dieser Zeit von dem Zweifel, der so charakteristisch für uns selber ist, er trennt den „antisystemischen Mut“ und die Solidarität des Zeitalters der Internationale von der ideologischen Unterordnung und dem Individualismus einer heutigen Welt, die von neoliberalem Konkurrenzdenken und Privatisierung geformt wurde. Die Begeisterung für Politik unter den Arbeitern, die sich 1864 in London versammelten, steht in scharfem Kontrast zu Apathie und Resignation, die heute vorherrschend sind.
Zu einem Zeitpunkt, wo die Welt der Arbeit zu Ausbeutungsbedingungen zurückkehrt, die denen des 19. Jahrhunderts gleichen, hat das Projekt der Internationale einmal mehr an Aktualität gewonnen. Die heutige Barbarei der „Welt Ordnung“, die ökologischen Katastrophen, die von der gegenwärtigen Produktionsweise verursacht werden, die wachsende Kluft zwischen den wenigen reichen Ausbeutern und der übergroßen verarmten Mehrheit, die Unterdrückung der Frauen, der stürmische Wind von Krieg, Rassismus und Chauvinismus, fordern gebieterisch von der zeitgenössischen Arbeiterbewegung, sich auf Basis zweier Grundprinzipien der Internationale neu zu organisieren: Vielfältigkeit der Strukturen, Radikalität der Ziele. Die Ziele der vor 150 Jahren in London gegründeten Organisation sind heute lebendiger denn je. Um den Herausforderungen der Gegenwart gerecht zu werden, kann die neue Internationale dieser doppelten Anforderung nicht entgehen: Sie muss pluralistisch und sie muss antikapitalistisch sein.

 

Translated by: Sebastian Chwala

 

References
[1] Dieser Artikel basiert auf der Einleitung von: Marcello Musto (Hrg.), Workers Unite! The International 150 Years Later, New York/London: Bloomsbury, 2014, ein Sammelband mit zentralen Dokumenten der Internationale.
Alle mit GC oder PI gekennzeichneten Zitate beziehen sich auf die mehrbändige Veröffentlichung der offiziellen Protokolle, die unter den Titeln „General Council of the First International“, 5 Bde., Moskau 1963-1968 (= GC), und „Première Internationale“,4 Bde., Genf 1962 und 1971 (= PI)erschienen sind.
[2] Gegen Ende der IAA wurde von einigen Mitgliedern des Generalrates während der Debatte über die Neufassung der Statuten die Frage aufgeworfen, ob „men” im englischen Namen der Organisation nicht durch „persons” ersetzt werden sollte. Engels antwortete darauf, „daß man allgemein angenommen habe, daß ‚men’ als geschlechtsneutraler Begriff gemeint sei”. Die Arbeiterassoziation stand also sowohl Frauen als auch Männern offen.
[3] Vgl. Henry Collins/Chimen Abramsky, Karl Marx and the British Labour Movement, London 1965, S. 34.
[4] Johann George Eccarius to Karl Marx, 12 October 1864, in: Marx-Engels-Gesamtausgabe, Bd. III/13, Berlin 2002, S. 10.
[5] Siehe Oscar Testut, L’Association internationale des travailleurs, Lyon, 1870, S. 310.
[6] The Times, 5 June 1871.
[7] Collins/Abramsky, a.a.O., S. 70; Jacques D’Hondt, Rapport de synthèse, in: Colloque International sur la première Internationale, La Première Internationale: l’institution, l’implantation, le rayonnement, Paris 1968, S. 475.
[8] Collins/Abramsky, a.a.O., S. 70; Jacques D’Hondt, a.a.O., S. 289.
[9] Musto, a.a.O., Dokument 2 (= Karl Marx, Vorschläge für das Programm der Internationalen Arbeiterassoziation [IAA], in: MEW 16, S. 194).
[10] Jacques Freymond, Introduction, in: PI, I, S. XI.
[11] Report of the [French] General Council, 1 September 1869, in: PI, II, S. 24.
[12] Henri Collins, The International and the British Labour Movement: Origin of the International in England, in: Colloque International, La Première Internationale, a.a.O., S. 34.
[13] Marx setzte die Praxis, bei den Kongressen nicht persönlich anwesend zu sein, in der Folge fort. Eine Ausnahme bildete nur der wichtige Kongress von Den Haag (1872).
[14] Freymond, Introduction, in: PI, I, S. XIV.
[15] Musto, a.a.O., Dokument 3.
[16] Jacques Rougerie, in: Les sections françaises de l’Association Internationale des Travailleurs, in: Colloque International sur la premieère Internationale, a.a.O., S.111, sprach von “einigen zehntausend”.
[17] Musto, a.a.O., Dokument 54. (= Karl Marx, Erste Adresse des Generalrats über den Deutsch-Französischen Krieg, in: MEW 17, S. 7).
[18] Arthur Lehning, Introduction, in: Ders. (Hrg.), Bakunin-Archiv, Bd. VI: Michel Bakounine sur la Guerre Franco-Allemande et la Révolution Sociale en France (1870-1871), Leiden 1977, S. XVI.
[19] Dazu Georges Haupt, L’internazionale socialista dalla Comune a Lenin, Turin 1978, S. 28.
[20] Ebd., S. 93-95.
[21] Nello Rosselli, Mazzini e Bakunin, Turin 1927, S. 323-324.
[22] Giuseppe Garibaldi an Giorgio Pallavicino, 14 November 1871, in: Enrico Emilio Ximenes, Epistolario di Giuseppe Garibaldi, Bd. I, Milano 1885, S. 350.
[23] Karl Marx, 15. August 1871, in: GC, Bd. IV, S. 259.
[24] Miklós Molnár, Le déclin de la première internationale, Genf 1963, S. 127.
[25] Musto, a.a.O., Dokument 74 (= Karl Marx/Friedrich Engels, Beschlüsse der Delegiertenkonferenz der Internationalen Arbeiterassoziation, abgehalten zu London, vom 17. bis 23. September 1871, in: MEW 17, S. 421).
[26] In den frühen 1870er Jahren war die Arbeiterklasse nur in Deutschland als Partei organisiert. Die Verwendung des Wortes „Partei“ war daher sowohl bei den Anhängern Bakunins als auch bei Marx sehr unklar. Selbst Marx benutzte es mehr als Synonym für Klasse. Die Debatten in der Internationale konzentrierten sich nicht auf die Frage nach der Gründung einer politischen Partei (ein Ausdruck, der auf der Londoner Konferenz nur zweimal und auf dem Den Haager Kongress nur fünfmal benutzt wurde), sondern drehten sich vielmehr um die Nutzung des Adjektivs „politisch“ (Haupt, a.a.O., S. 84).
[27] Jacques Freymond/Miklós Molnár, The Rise and Fall oft he First International, in: Milorad M. Drachkovitch, The Revolutionary Internationals , 1864-1943, Stanford 1966, S. 27.
[28] Verschiedene Autoren, Risoluzione, programma e regolamento della federazione italiana dell’ Associazione Internazionale dei Lavoratori, in: Gian Mario Bravo, La Prima Internazionale, Rom 1978, S. 787.
[29] Siehe Freymond/Molnár, a.a.O., S. 27-28.
[30] Siehe Karl Marx an Ludwig Kugelmann vom 29. Juli 1872, in: MEW Band 33, S. 505. Dort schrieb er: „Auf dem internationalen Kongreß … handelt es sich um Leben oder Tod der Internationalen; und bevor ich austrete, will ich sie wenigstens vor den auflösenden Elementen schützen.“
[31] Musto, a.a.O., Dokument 65.
[32] Freymond, Introduction, in: PI, I, S. X.
[33] Vgl. Haupt, a.a.O., S. 100.
[34] Friedrich Engels, 5. September 1872, in: PI, II, S. 355.
[35] Miklós Molnár, Quelques remarques à propos de la crise de l’Internationale en 1872, in: Colloque International, La Première Internationale, a.a.O., S. 439.
[36] Molnár, Le Déclin de la Première Internationale, a.a.O., S. 144.

Journal:

Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung

Pub Info:

Vol. 2014, n. 99, 145-162

Reference:

Available in:

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